Ironman-Debut in 9:15

Ich bin immer noch sprachlos… ich habe in den letzten drei Jahren so viele miese Hauptwettkämpfe gehabt und dann gestern, beim bislang wichtigsten Rennen meines Lebens, hat einfach alles gepasst! Der perfekte Tag, am perfekten Tag. Die erste Langdistanz in 9:15:50 Stunden und damit unter den besten 100 Teilnehmern der Ironman-EM!

Drei glückliche Finisher: Marcel und Alex konnten zwar ihre Wunsch-Zeiten nicht erreichen, aber haben sich zum Ziel durchgekämpft und konnten im Ziel genauso lachen wie ich

Drei glückliche Finisher: Marcel und Alex konnten zwar ihre Wunsch-Zeiten nicht erreichen, aber haben sich zum Ziel durchgekämpft und konnten im Ziel genauso lachen wie ich

Die Woche vor dem Ironman hat sich schon angefühlt wie Urlaub, das Tapering hat offensichtlich so gut gewirkt, wie noch nie. Auch das Wetter hat seinen Teil zum Urlaubsfeeling beigetragen. Und so war ich bis zum Start eigentlich sehr entspannt. Ich wusste ziemlich genau, was ich von mir erwarten konnte, zumindest in der Theorie. Dass auf einer Langdistanz auch Phasen kommen (und eventuell nicht mehr gehen), in denen es hart ist, war mir aber natürlich bewusst. Daher konnte ich mir zwar ausmalen, zu was ich in der Lage sein könnte. Wie nah ich aber an dieses Leistungsvermögen rankommen würde, darüber würden Tagesform, Energieversorgung und der Darm entscheiden.

Ein malerisches Bild vom Schwimmstart

Eine malerische Kulisse beim Schwimmstart

Wie üblich habe ich mich bis 10 Minuten vor dem Start in Ruhe abseits der nervösen Athleten aufgewärmt, die bereits seit einer Stunde im Neo schwitzten. Dann schnell im Startbereich nach vorne gedrängelt und etwa als 100ter losgeschwommen. Das war etwas zu weit hinten, denn bis zum Landgang nach 1500 Metern habe ich nur überholt. Danach habe ich einen tollen Wasserschatten erwischt und konnte bis zum Schwimmausstieg sehr locker darin schwimmen.

Ich weiß zwar nicht, wer das ist, aber das war der gute Wasserschatten - Danke, falls du das mal lesen solltest :)

Ich weiß zwar nicht, wer das ist, aber danke für den guten Wasserschatten 🙂

Die Uhr hatte ich, weil sie mich am Handgelenk beim Schwimmen stört, unter der Badekappe getragen. Leider hat es nicht geklappt, sie zu starten, aber dank Robert’s lauten Worten wusste ich dennoch, dass ich richtig gut unterwegs waren – 52:12 Minuten die offizielle Zeit.

"Unter 53 Markus, richtig stark" - Stark war auch hier schon insb. der Support! :)

„Unter 53 Markus, richtig stark“ – Stark war auch hier schon der Support! 🙂

Also Neo aus und ab aufs Rad. Dort war es dann zu Beginn zunächst unerwartet einsam – ich hatte auch so weit vorne mit einer viel höheren Athletendichte gerechnet. Die Einsamkeit legte sich spätestens in Maintal, als in Hochstadt und dann am Hühnerberg total viele Vereinskollegen warteten und mich den Berg hochbrüllten, das war sehr geil! Ab Kilometer 60 wurde es dann auch auf der Strecke voller. Von hinten kam nicht nur Raffa, sondern in seinem Schlepptau eine ca. 15 Mann und Frau starke Gruppe. Bis auf einen Age Grouper und zwei Profi-Frauen in diesem Feld sind hier alle wirklich fair gefahren, von den Profi-Frauen bekam dann auch eine eine Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens. Die Gruppe blieb bis zur zweiten Wechselzone zusammen und war wirklich stark. Vor der letzten Abfahrt nach Bad Vilbel ließ ich sie dann ziehen, um eine Toilettenpause einzulegen. Der Schnitt in Wechselzone zwei war dennoch bei über 36 kmh und höher als erwartet.

Durchweg am Lächeln und voll im Plan - exakt 4:48:48 Stunden für die zweite Disziplin

Durchweg am Lächeln und voll im Plan – exakt 4:48:48 Stunden für die zweite Disziplin

Durch einen schnellen zweiten Wechsel war ich schnell wieder an Raffa dran und nachdem er auf der ersten Laufrunde ebenfalls kurz aufs Dixi musste, konnten wir über 10 Kilometer Seite an Seite im angestrebten 4:45er Schnitt laufen – ein geiles Gefühl.

Und wir gehen den Weg, von hier, Seite an Seite, ... nicht ganz bis zur Finishline aber zumindest gute 10km lang ;)

Und wir gehen den Weg, von hier, Seite an Seite, … nicht ganz bis zur Finishline aber gute 10km lang 😉

Nachdem Raffas Gesellschaft mir sehr geholfen hatte, als ich Ende der ersten Runde Seitenstechen bekam, hatte er danach eine leichte Schwächephase und musste abreißen lassen – blieb aber bis zum Schluss nicht mehr als zwei Minuten hinter mir. Durch die leichten Magenprobleme entschied ich mich, auf der Laufstrecke lieber auf Gels zu verzichten und nur noch Iso zu trinken. Auch auf der Radstrecke hatte ich es zweimal nicht geschafft, ein Gel zu greifen, somit fehlten mir insgesamt fünf Gels. Bis zu Beginn der dritten Laufrunde konnte ich mein Tempo halten, danach waren die Ressourcen dann langsam verbraucht und ich wurde langsamer.

Meine Leistung nahm im Laufe des Marathons etwas ab - was absolut nicht weniger wurde, war der großartige Support vom gesamten Freundeskreis

Meine Leistung nahm im Laufe des Marathons etwas ab – was absolut nicht weniger wurde, war der großartige Support vom gesamten Freundeskreis

Langsamer heißt jedoch nicht langsam und schon längst nicht aufgeben. Die dritte Runde lief ich etwa im 5:25er Schnitt, dort überrundete ich auch Marcel, der leider keinen so guten Tag erwischte, es aber dennoch durchzog. Auf den letzten Kilometern bekam ich nochmal eine zweite Luft und wurde wieder etwas schneller. Mit glatten 3:30:06 Stunden konnte ich meine Marathon-Bestzeit also im Ironman um satte 79 Minuten verbessern 😀

So lange hatte ich mir diesen Moment erträumt und da ist er endlich! YOU ARE AN IRONMAN!

So lange hatte ich mir diesen Moment erträumt und da ist er endlich! YOU ARE AN IRONMAN!

Im Zielkanal angekommen war dann Zeit zu feiern! Abklatschen, jubeln und dann ein ungläubiger Blick auf die Zeittafel: 9:15:50? Ehrlich? Krasser Scheiß, ich war und bin ziemlich überwältigt! Aufgrund der Temperaturen und der Profis, die ich überholt hatte, dachte ich im Rennen sogar, dass das mit etwas Glück für Hawaii reichen könnte. Aber keine Chance, von den ersten zehn Agegroupern waren fünf in meiner AK. Mit meiner Zeit bin ich dort 13. und die Slots gehen wieder bei unter neun Stunden weg! Respekt, was die Jungs da vorne geleistet haben. Umso toller ist aber meine Gesamtplatzierung – 86. overall, bei über 3000 Startern – unglaublich!

Dafür war dann doch noch Kraft - wir verneigen uns vor allem Supportern, für den großartigen Einsatz und bedanken und auch insb. bei OPTIMUM, das uns den Start überhaupt erst ermöglicht und bezahlt hat.

Dafür war noch Kraft – wir verneigen uns vor allem Supportern für den großartigen Einsatz und bedanken uns insb. bei OPTIMUM, das uns den Start überhaupt erst ermöglicht und bezahlt hat.

Das Feiern ging nach dem Zieleinlauf natürlich weiter – direkt nach zwei Minuten, als auch Raffa das Ziel überquerte und genauso verdutzt war über seine geile Zeit. Und anschließend an der Strecke, um Marcel und Alex, die sich beide extrem quälen mussten, anzupeitschen. Beide haben es durchgezogen und damit vor allem mental extrem krasse Leistungen vollbracht – Hut ab davor, ich bin wirklich froh, dass mir das bei meiner ersten LD erspart blieb.

Wann bei mir nun die zweite Langdistanz folgt? Keine Ahnung, aber sicherlich nicht nächstes Jahr. Jetzt leg ich erstmal die Beine hoch und dann wird die Liga gerockt! Wir haben schließlich eine Tabellenführung zu behaupten 🙂

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